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5. Tag: Mittwoch  29.9. Pluzine - Zabljak.

Zuerst der Blick auf die Radsachen, ob denn alles schon trocken ist und dann aus dem Fenster, was das Wetter so macht. Oh je, zwar regnete es nicht, jedoch die Wolkenbasis lag nur etwa 150 m über dem Ort und verhüllte die Berge in tiefes Grau. Nur südlich schien es etwas heller und wir diskutierten beim Frühstück, wie wir wohl aus dieser Situation das Beste machen. Sollen wir einfach drauflos fahren, oder doch angesichts der Wetterlage einen Pausentag einlegen??  Ich war eher pessimistisch gestimmt, doch Ludwig bepackte unbeirrt sein Rad und Richard folgte. Ich zögerte noch, doch dann fuhr auch ich los. Es ging von Pluzine aus etwa einen Kilometer retour, um dann rechts gleich mal in einen rabenschwarzen Tunnel zu verschwinden. Unmittelbar nach diesem Tunnel ging es gleich deftig zur Sache, und es reihte sich auf der steilen Straße Serpentine um Serpentine.
Schnell war man von innen nass und der Stausee unter uns rückte immer weiter weg. Es war wieder mal so eine Straße, die in der Karte gelb/grün eingezeichnet war, also eine Sightseeing-Strecke. Doch wurden uns die Schönheiten dieser Gegend eben durch Wolkengrau etwas eingetrübt. Als wir die Höhenzone, wo sich die Staubewölkung befand, durchquert hatten, war die Sicht doch ganz zufriedenstellend, wenn auch die Kontraste bei durchgehender Hochbewölkung fehlten. Doch es regnete zumindest nicht, und man konnte auf der Passstraße im Treskavac Hochplateau die Gipfel des Durmitorgebirges erkennen. Wir malten uns aus, wie schön es doch hier bei Sonnenschein gewesen wäre. Das Hochplateau lag bei etwa 1300 m, und nach einer etwas flacheren Passage ging es zum ersten Anstieg auf 1900 m zum  Prijespa hoch. Es wurde deutlich kälter, und so gegen Mittag erreichten wir diese schon hochgebirgsartig anmutende Region. Vom Prijispa aus, in Luftlinie etwa 5 Km Entfernung, lag auf etwa gleicher Höhe liegend der Sedlo, eine Passhöhe, von wo es dann wieder bergabgehen müsste. Doch dazwischen ging es in dieser Hochgebirgssenke eben 200 Hm nach unten, bildlich vor uns liegend die Serpentinen, die dann wieder mühselig hinaufzuradeln waren. Sehr markant die Geländeformation der nach Süden zugeneigten Bergwand des Bobotov kuk, die an einen Gardinenvorhang erinnert. Oben am Pass  begegneten wir einem jungen Russenpärchen, die ebenfalls auf vollbepackten Tourenrädern die Strecke fuhren und von der anderen Seite kamen.
Es war ziemlich kalt und am Sedlo angekommen, rüsteten wir uns, während es leicht zu nieseln begann, auf die Abfahrt. Ludwig war zurückgefallen, und wir warteten schon etwas besorgt etwa eine halbe Stunde, bis er mit klammen Fingern, total durchfroren eintraf. Er hatte durch die Kälte kein Gefühl mehr in den Händen und versuchte sich durch Bewegung warm zu machen. Er wollte uns folgen und schickte uns voraus. Während der Abfahrt fing es schließlich so richtig an zu regnen, und obwohl wir schnell in tiefere Regionen kamen, wurde es kaum wärmer. Im Gegenteil, vor Zabljak peitschten uns die Regentropfen durch aufkommende Böen von der Seite ins Gesicht, und Richard und ich wir waren froh, unseren Zielort erreicht zu haben. Zabljak wirkte in diesem Wetter als ein trostloser Skitouristenort, wo bereits Kilometer südlich her Dutzende leerstehende Appartements wahllos in die Gegend gebaut wurden und die Landschaft verschandelten. Man wollte es kaum glauben, obwohl noch keine Skisaison war, hatte Heinz  ziemlich Schwierigkeiten Zimmer zu bekommen. Der Grund war irgend ein landesweiter Schulausflug, wo so gegen Abend vor jedem Hotel aus großen Bussen Dutzende Schüler strömten und die Hotelbetten belegten.
Als wir etwa zwei Kilometer südlich des Zentrums einlogierten, benutzten wir tatsächlich den Heizlüfter, um unsere nassen Sachen zu trocknen. Nachdem kein ordentliches Restaurant auffindbar war, entschlossen wir uns, in unserer Miniküche selbst zu kochen. Wir waren wieder mal etwas besorgt, da es schon dämmerte und Ludwig noch nicht da war. Heinz fuhr nochmal mit dem Auto den Berg hoch, jedoch unser Nachzügler war nicht auffindbar. Er machte in einer Kneipe halt und versuchte, sich etwas aufzuwärmen. Im Hotel angekommen, gab es für ihn im total unterkühlten blassen Zustand, nur noch das Bett. Appetit hatte er auch keinen. Wir machten uns, während wir die Spagetti verdrückten, schon Sorge, ob er den morgigen Tag überhaupt aufs Rad kann. Draußen regnete es, und die Temperatur lag nur wenig über dem Gefrierpunkt.
So ging wieder mal ein erlebnisreicher Tag dieser Balkantour zu Ende, und wir sinnierten schon sämtliche Optionen, wie wir es denn morgen anpacken wollten. 

Link Karte
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=hishdzhpnuqvsujh&authkey=E9538E31E27E3435B6ACCCDE080BDAA56FAFE873CA3CC56B Link Fotos
https://picasaweb.google.com/27werner/Balkan5Tag?authkey=Gv1sRgCNWbg6CgpvPWqAE#